Matthias Rüppel - "Identität"
Über eine künstlerische Suche nach der menschlichen Identität,
nach einem menschlichen Selbst-Bewusstsein
Um zu wissen, was uns als Menschen abhebt vom Rest der Schöpfung, müssen wir zunächst wissen, was wir mit diesem gemeinsam haben. Wir sind als Wesen der stofflichen Natur untrennbar mir dieser verbunden und von ihr abhängig.
Die freie künstlerische Arbeit am Stein kann zu einem Dialog zwischen Mensch und Natur werden, denn ich agiere und reagiere auf das älteste Material was mir die Natur zu geben hat.
Stein ist in seinen verschiedensten Eigenschaften sehr eigenwillig und gerade dadurch ein gesprächiger Partner, der sehr direkt darauf antwortet, wie ich ihn anspreche.
Nur wenn mein eigener Wille mit dem des Steines konform geht, komme ich an ein befriedigendes Ergebnis heran. So erfahre ich durch diesen Dialog mein Eingebundensein in die Natur.
Was den Menschen unterscheidet vom Tier ist, dass er eine Identität besitzt. Diese Identität ist geprägt vom “Ich” und vom “Selbst”. Der Eigenwille und das kollektive Selbstverständnis bestimmen unser Denken und unser Tun.
Zum größten Teil sind wir bestimmt durch unser kollektives Unbewusstes. Es entsteht aus ererbten und erlebten Erfahrungen sozialer und kultureller Art.
Wenn ich künstlerisch tätig bin – zum Beispiel Köpfe male – erlebe ich mich als Mensch. Mein Tun basiert zwar teilweise auf präzisen Entscheidungen und antrainierten Fähigkeiten.
Was das Werk im wesentlichen aber zu einem Kunstwerk macht, was ihm einen künstlerischen Wert, ein Eigenleben gibt, ist jedoch verwurzelt im Bereich unbewusster emotionaler Entscheidungen. Diese sind die Quelle der eigenen Kreativität. Indem ich in der Kunst das eigenwillige “Ich” dem “Selbst” gegenüberstelle, erfahre ich mich als Mensch, werde mir selbst und meiner menschlichen Identität bewusst.
Matthias Rüppel, Oktober 2006