Winfried A. Langschied - "Ich – Selbst"
Galerie Finearts con.tra. Berlin: Matthias Rüppel "Ich – Selbst"
Unter dem Motto "Ich-SELBST", zeigten wir vom 5. März bis zum 9. April 2005 Zeichnungen und Skulpturen des Malers, Zeichners und Bildhauers MATTHIAS RÜPPEL.
Der Maler, Zeichner und Bildhauer Matthias Rüppel wurde 1971 in Mainz geboren. Er studierte Kunst an der Akademie für Kunst in Prag und an der UDK (Universität der Künste) Berlin, wo er 2003 als Meisterschüler bei Professor Harro Jacob abschloss.
Nachdem uns seine Arbeiten, denen wir erstmals beim Rundgang auf der Meisterschülerabschlussausstellung im Frühjahr 2003 im Foyer der UdK begegneten, unter den zahlreichen Konkurrenten sofort als künstlerisch besonders ausgereift auffielen, haben wir uns spontan entschlossen, dem Künstler eine Ausstellung in unserer damals erst in Planung befindlichen Galerie zu ermöglichen.
Nach dem Ende seines Studiums ging Matthias Rüppel 2003 wieder in seine Heimatstadt Mainz zurück, wo er seitdem arbeitet und mehrfach sehr erfolgreich ausgestellt hat. Sein überragendes gestalterisches Thema ist vor allem der Kopf als Zentrum und Schaltzentrale der menschlichen Gestalt. Rüppel jongliert meisterhaft - quasi experimentell spielerisch und dennoch alles andere als zufällig -zugleich mit unserer äußeren und inneren Wahrnehmung und bewegt sich suchend irgendwo dazwischen.
Unter Zuhilfenahme von Zeichenstift und Pinsel versucht er sezierend und analysierend das Innere, das Nichtorganische eines Kopfes sichtbar zu machen, Gedanken und Gefühle hervorzuholen und freizulegen. Durch die unterschiedlich weit gehende Abstraktion äußerer Merkmale löst er sich - prima vista - sehr stark vom äußeren Erscheinungsbild bzw. der sichtbaren Oberfläche und bemüht sich stattdessen, verdeckte und tiefer liegende, charakteristische Persönlichkeitsmerkmale offen zu legen, ähnlich einer ganzheitlichen therapeutischen Herangehensweise.
Seine mit der akribisch-analytischen Zeichnung eng verflochtene Malerei greift diesen Abstraktionsprozess gleichermaßen auf und bereichert ihn durch eine stark emotional geprägte Expressivität, wobei diese durch eine sehr gedämpfte, nahezu monochrome Farbigkeit noch zusätzlich unterstrichen wird.
Die materielle Qualität und technische Raffinesse seiner Arbeiten führen den Betrachter über die zweidimensionale Betrachtungserfahrung hinaus in die illusionistische dritte Dimension. Durch die ungewohnte Konfrontation mit dem ästhetisch Vertrauten wird er herausgefordert, nicht nur seine eigene Wahrnehmung immer wieder neu zu prüfen, sondern auch sein eigenes Ich im Hinblick auf seine innersten Gefühle genauer zu befragen und zu erspüren.
Man muß sich vor allem Zeit und auch die Ruhe nehmen, die Arbeiten auf sich intensiv wirken zu lassen, in dem man immer wieder den inneren Dialog per Blickkontakt aufnimmt und dabei jedes Mal Neues entdeckt.
Winfried A. Langschied
Galerist, Regierungsdirektor a.D., Berlin