Pascal Johanssen - "Die Unbestechlichkeit der Köpfe"
Der Bildhauer, Maler und Zeichner Matthias Rüppel ist ein Einzelgänger innerhalb der jüngeren Künstlergeneration. Rüppel zeigt in seiner Kunst kein spektakuläres Feuerwerk an Farben oder Ideen, dem vorherrschenden Markenzeichnen der Kunst der letzten Jahre. Er zieht sich auf eine reduzierte - fast schon spirituelle - Position zurück:
Auf meditativ anmutende Weise kreist er permanent das vorherrschende Thema seiner Arbeit ein, den menschlichen Kopf – die menschliche Identität
Mit seinen immer wiederkehrenden Kopf-Archetypen, die mal monumental mal filigran wirken können, hat sich Rüppel einen unverwechselbaren Stil geschaffen. Der Kopf dient ihm dabei als Projektionsfläche für seine intensive Reflexion über das Selbstverständnis des Menschen in der heutigen Zeit. Es geht nicht um die Abbildung des individuellen Egos, sondern um Gemeinsamkeiten aus dem kollektiven Unbewussten. Rüppel will dem Betrachter durchaus auch verborgene Seiten an sich selbst zeigen, die er nicht ohne weiteres sehen kann.
Seine Werke bieten die Chance, ein Gespür für sich selbst und den anderen zu entwickeln.
Matthias Rüppel wurde 1971 in Mainz geboren und begann 1996 nach einer Lehre als Steinmetz und Bildhauer sein Studium an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag bei Kurt Gebauer.
Im Jahr 1998 kam Rüppel an die Universität der Künste in Berlin zu Harro Jacob, wo er intensiv seine Möglichkeiten zwischen malerischen, zeichnerischen und plastischen Ausdrucksformen auslotete und seinen Stil perfektionierte. Hier befreite und distanzierte er sich auch von der weit verbreiteten Vorstellung, die bloße Idee sei hauptsächlicher Maßstab für die Bedeutung eines Kunstwerkes.
Entscheidender wurde für ihn, in einen werkübergreifenden Schaffensprozess zu gelangen, der zu einer eigenen, sehr poetisch angewandten Sprache hinführte. Dabei half ihm nicht zuletzt sein handwerklich geschultes Auge, "denn", so Rüppel, "das ist unbestechlicher als ein anarchistisch-egomanischer Blick, der das Werk aus dem Auge verlieren muss."
Pascal Johanssen
Kurator, Berlin 2006