Angelika Wende - "Köpfe"

Matthias Rüppels bevorzugtes Sujet ist die freie Zeichnung, die sich angewandt auf das Thema KÖPFE als unentbehrlich erweist. Über die Weiterentwicklung der freien Zeichnung, das rücksichtslose Hinterfragen und radikale Relativieren und Neudefinieren erarbeiteter Ausdrucksformen entwickelt der Künstler eine Art Malerei, die sich hauptsächlich durch zeichnerische und bildhauerische Prinzipien ästhetisch erschließt. Der Kopf erweist sich hierbei als Motiv, das fast jeder Veränderung gewachsen ist. Ein Persönlichkeitsportrait ist hierbei nicht angestrebt. Der Kopf dient vielmehr als ein formales und neutrales Forschungsobjekt. Durch die konsequente und kontinuierliche Arbeitsweise, große Sorgfalt auf ein stark reduziertes Thema anzuwenden, erreicht Matthias Rüppel einen nahezu meditativen Gestaltungsprozess, in dem sich ein eigener Typus Kopf heraus kristallisiert. Es gelingt ihm, einen Bogen zu schlagen zwischen der formalen Untersuchung und seiner eigenen Gedankenwelt.

"Ich behandle diesen Geist, der da auf der Leinwand erscheint, wie ein Jongleur. Ich spiele mit ihm, ich beobachte ihn mehr als ich ihn kreiere. Es ist fast so, als beschwöre ich etwas herauf, das ich nicht kenne. Ich bestimme es nicht selbst und es gleicht einer Art Mischung meines eigenen Bewusstseins mit dem kollektiven Bewusstsein, möglicherweise ist es meine individuelle Reaktion auf das menschliche Kollektiv, die sich so ihren Ausdruck sucht. Dann bin ich ein Katalysator des Zeitgeistes auf der Suche nach dem Wesenskern des Menschen über den Weg des meditativen Arbeitens in meiner Kunst. Ich habe den Anspruch an mich selbst, meine Bilder so lange durchzuarbeiten bis sie ein Eigenleben entwickelt haben, bis ich das Gefühl habe, dass sie lebendig sind. Sie sind auf eine eigenartige Weise lebendig und jenseitig zugleich. Meine Köpfe können nur entstehen über vielfaches Hin -und Her zwischen hervorrufen und wieder zerstören, zwischen Definition und Relativierung. Ich benutze meine Bilder, um mich als Mensch zu erfahren ..."

Matthias Rüppels Köpfe gleichen einer wie aus Stein gemeißelten Philosophie. Sie machen es dem Betrachter nicht leicht. Die Werke des Künstlers fordern ein Sich Einlassen auf das auf Leinwand gebannte Gegenüber. Sie sind Spiegel und Reflexionsfläche zugleich.

Angelika Wende, 2003

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